Was bringt KI in der Logistik konkret?
KI in der Logistik übernimmt vor allem die Erfassung eingehender Aufträge und Dokumente: Transportaufträge, Avise, Lieferscheine und Frachtbriefe werden ausgelesen, dem richtigen Vorgang zugeordnet und als Entwurf im Transportmanagementsystem angelegt. Die Disposition prüft und gibt frei, statt jede Sendung von Hand zu erfassen. Das ist der Prozess, in dem in Speditionen die meiste Zeit gebunden ist.
Ab wann lohnt sich das für eine Spedition?
Als Orientierung: Sobald täglich mehr als etwa 30 Aufträge über unstrukturierte Kanäle hereinkommen, wird der Hebel spürbar. Zum Vergleich: Mittelständische Speditionen bearbeiten je nach Größe zwischen 50 und mehreren hundert Aufträgen pro Tag, oft mit drei bis fünf Dokumenten je Auftrag. Entscheidend ist aber nicht die Menge allein, sondern wie viel Zeit ein einzelner Vorgang bindet.
Unsere Aufträge kommen über Mail, Portal und Telefon gleichzeitig. Geht das?
Ja, und genau dafür ist das System gedacht. Alle Kanäle laufen in einer gemeinsamen Vorerfassung zusammen: E-Mail-Anhänge, Portal-Exporte, PDF-Frachtbriefe und Telefonnotizen werden ausgelesen und demselben Vorgang zugeordnet. Die Disposition arbeitet danach aus einer Liste statt aus vier Postfächern.
Müssen wir unser Transportmanagementsystem wechseln?
Nein. Wir docken an das an, was Sie einsetzen — gängige TMS- und ERP-Systeme oder gewachsene Branchenlösungen mit Schnittstelle. Es gibt keine Migration und keinen Systemwechsel; Ihre Disposition arbeitet in der gewohnten Oberfläche weiter, sie bekommt nur vorbereitete Vorgänge statt leerer Masken.
Wie geht das System mit unleserlichen oder schlecht gescannten Dokumenten um?
Es markiert sie, statt zu raten. Erkennt das System eine Position nicht sicher, landet der Vorgang in einer Prüfliste mit Hinweis auf die unklare Stelle — ein Mensch entscheidet. Gerade in der Logistik, wo gescannte Frachtpapiere und Handschrift normal sind, ist das der entscheidende Unterschied zu Systemen, die stillschweigend einen Wert eintragen.
Was ist mit Gefahrgut, Zoll und anderen kritischen Angaben?
Solche Felder behandeln wir bewusst strenger. Angaben mit rechtlicher oder sicherheitsrelevanter Wirkung — Gefahrgutkennzeichnung, Zolltarifnummern, Zollwerte — werden nie automatisch übernommen, sondern immer zur Prüfung vorgelegt. Der Zeitgewinn entsteht bei den vielen unkritischen Positionen, nicht dort, wo ein Fehler teuer wird.
Wo liegen unsere Kunden- und Sendungsdaten?
Auf deutschen beziehungsweise europäischen Servern (Hetzner/IONOS), self-hosted im Docker-Container, auf Wunsch in Ihrer eigenen Umgebung. Ihre Kunden-, Sendungs- und Preisdaten werden nicht zum Training öffentlicher KI-Modelle verwendet. Rechtsgrundlage nach Art. 6 DSGVO und Auftragsverarbeitungsvertrag klären wir vor Projektstart.
Wie lange dauert die Einführung?
Der Erfahrungswert aus bisherigen Projekten liegt bei rund vier Wochen bis Go-Live. In der Logistik hängt der Zeitbedarf vor allem an der Zahl der anzubindenden Kanäle und an der Qualität Ihrer Stammdaten. Den verbindlichen Zeitplan halten wir vor Projektstart schriftlich fest.
Ersetzt das unsere Disponenten?
Nein. Automatisiert wird die Erfassung, nicht die Disposition. Routenentscheidungen, Kundenabsprachen und der Umgang mit Störungen bleiben bei Ihren Leuten — dafür haben sie wieder Zeit, weil das Abtippen entfällt. In einem Markt, in dem Disponenten schwer zu finden sind, ist das der eigentliche Nutzen.
Wird KI-Beratung für Logistikunternehmen gefördert?
Grundsätzlich ja. Wir sind beim BAFA für das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ als Berater gelistet, was die Voraussetzung für eine Bezuschussung ist. Der Antrag muss vor Beratungsbeginn gestellt werden — rückwirkend geht nichts. Über die Bewilligung entscheidet allein das BAFA.